Vom Wert der Nachbarschaftshilfe für ein gutes Alter(n)

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Viele Forschungen belegen inzwischen, dass eine gute Nachbarschaft positive Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit aller Menschen hat. Ob informelle Nachbarschaftshilfe auch den Lebensalltag von älteren und dadurch zunehmend eingeschränkten Menschen erleichtern kann, ist Thema der Schweizer Studie „Soziale Unterstützung in der Nachbarschaft“.

Umfrage zu nachbarschaftlichen Verhältnissen

Im Jahr 2013 ging die Age Stiftung im Zuge der telefonischen Gfs-Omnibus-Befragung in der Deutschschweiz den Fragen nach, ob ältere Menschen durch zwanglose Nachbarschaftsnetzwerke in ihren Lebens- und Wohnverhältnissen unterstützt werden können, wie dies konkret aussieht und wo ein eventueller Verbesserungsbedarf besteht. Dabei wurden insgesamt 707 allein- und in Lebensgemeinschaften lebende Frauen und Männer zwischen 50 und 96 Jahren befragt. Das Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich wertete 2014 die Daten aus und Alexander Seifert fasste sie anschließend zusammen.

Wesentliche Ergebnisse

  • Nachbar/inne/n werden laut Umfrage zwar meist weniger um Hilfe gebeten als der/die Lebenspartner/in oder eigene Kinder, ihre Unterstützung wird aber oftmals ergänzend zu bereits bestehenden Netzwerken in Anspruch genommen. Dies verstärkt sich erheblich, sobald andere Bezugspersonen nicht (mehr) vorhanden sind.
  • Grundsätzlich konnten der Wunsch nach gegenseitiger sozialer Achtsamkeit (vor allem in Hinblick auf Notlagen) und ein Bedürfnis nach Absicherung im nachbarschaftlichen Kreis ausgemacht werden. Dies zeigt sich u.a. darin, dass neben der Familie gerne auch Nachbar/inne/n ein Reserveschlüssel zur eigenen Wohnung anvertraut wird.
  • Hilfeleistung wird vor allem dann angeboten bzw. angenommen, wenn bereits zuvor ein lebendiger und vertrauensvoller Kontakt unter den Nachbar/inne/n geherrscht hat.

 

Foto: Anemone123 auf Pixabay

Besseres Altern in nachbarschaftlicher Gemeinschaft

Zwanglose Nachbarschaftshilfen sind sehr komplex, können aber dazu beitragen, das soziale Netz für ältere Menschen zu erweitern und sie in ihrem Lebensalltag zu unterstützen. Äußere Einflüsse spielen dabei nur eine geringe Rolle, da es vielmehr auf die Bereitschaft für gegenseitigen Kontakt (durch einzelne Personen und/oder nachbarschaftliche Verbände) ankommt. Ist diese Bereitschaft vorhanden, entsteht eher eine wechselseitige Hilfestellung. Vor allem in Notsituationen ist es ratsam, als Nachbar/in nicht alle Aufgaben selbst zu übernehmen, sondern bestenfalls auf Auffälligkeiten zu „reagieren“. Faktoren, die eine erfolgreiche Nachbarschaftshilfe begünstigen, sind die

  • generelle Verfügbarkeit von hilfsbereiten Nachbar/inne/n, zu denen ein sozialer Kontakt mit gegenseitigem Vertrauen besteht,
  • Notwendigkeit, wenn etwa keine Bezugspersonen in unmittelbarer Nähe leben sowie
  • persönliche Neigung von Betroffenen, überhaupt um Hilfe bei Nachbar/inne/n zu fragen.

Die Ergebnisse der Befragung können im Quartiersmanagement, der sozialen Arbeit im Quartier und hinsichtlich der Gestaltung künftiger, Nachbarschaften fördernder Wohnverhältnisse von Vorteil sein.

Quelle:
Alexander Seifert, Soziale Unterstützung in der Nachbarschaft (Zürich: Zentrum für Gerontologie, 2014). Download

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