Risikofaktor Einsamkeit: Macht sie uns im Alter krank?

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Zahlreiche Forschungen haben bereits gezeigt: Einsamkeit kann unsere Gesundheit negativ beeinflussen. Die chinesische Studie „Loneliness and Cognitive Function in Older Adults: Findings from the Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey“ von Bao-Liang Zhong u.a. untersuchte nun, ob Einsamkeit auch Auswirkungen auf unsere kognitiven Fähigkeiten im Alter haben und unter Umständen sogar chronische Krankheiten begünstigen kann.

Einsamkeit und ihre Langzeitfolgen

Immer mehr Studien belegen, dass Einsamkeit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat. So konnte u.a. ein Zusammenhang zwischen Einsamkeit und erhöhter Sterblichkeit bei älteren Menschen ebenso wie bei Bluthochdruck, körperlicher Inaktivität, Depressionen, Altersdemenz, chronischen Entzündungen und einer Verschlechterung des Immunsystems ausgemacht werden. Um herauszufinden, ob Einsamkeit auch Auswirkungen auf unsere Kognition, also die Verarbeitung von sinnlich wahrgenommenen Informationen im Gehirn mithilfe von Erinnern, Planen, Orientieren und Lernen hat, führte man eine Umfrage in China durch. Diese sollte zeigen, ob ein Zusammenhang zwischen Einsamkeit und dem Verfall kognitiver Funktionen besteht bzw. ob beides in einen Zusammenhang mit dem Anstieg chronischer Krankheiten gebracht werden kann. Mit einer der höchsten Senior/inn/enraten weltweit und einem gesellschaftlichen Wandel, der u.a. zu geschwächten sozialen Beziehungen mit zunehmender Einsamkeit führt, eignete sich China besonders gut als Untersuchungsort.

Methoden der Untersuchung

  • Zwischen 2002 und 2011 fand eine Kohortenstudie zur Langlebigkeit in China statt. Dabei wurden in mehreren Etappen insgesamt 1,16 Millionen Chines/inn/en im Alter von über 65 Jahren in persönlichen Interviews zu demografischen Merkmalen, sozioökonomischem Status, Lebensstil und Gesundheit befragt.
  • Zur Auswertung von insgesamt 14.199 abgeschlossenen Befragungen wandte man zwei Analysemodelle an.
  • Durch gezielte Fragestellungen wurde der Grad der Einsamkeit und der der kognitiven Funktionen gemessen. Bei jeder Erhebungswelle gab es eine Checkliste für chronische Krankheiten, wobei Daten zu Beschwerden wie u.a. Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen, Krebs und Demenz erhoben werden konnten. Als Kontrollvariablen zog man Alter, Geschlecht und Bildung sowie regelmäßige körperliche Bewegung und gegenwärtiges Rauchen hinzu.

 

Foto: Immortal shots von Pexels

Wechselwirkung von Einsamkeit und Kognition bedingen unser Alter(n)

Die Annahme, dass Einsamkeit negative Auswirkungen auf unsere kognitiven Funktionen hat, konnte durch die vorliegende Studie bestätigt werden. Kognitive Dysfunktionen können durch Einsamkeit sogar verschlimmert werden. Des Weiteren ergab die Untersuchung, dass Einsamkeit und Kognition sich durch ihre Auswirkung auf die körperliche Gesundheit gegenseitig beeinflussen und nicht durch Kovariablen wie demografische Faktoren, sozioökonomische Verhältnisse, Lebensstile oder soziale Aktivitäten erklärt werden können. Offen jedoch bleibt, ob die Einsamkeit die Kognition direkt beeinflusst und somit auch eine Verschlechterung der Gesundheit bedingt oder ob dies durch eine Kombination dieser und anderer Mechanismen zustande kommt. Es könnte also durchaus sein, dass die Wechselwirkung zwischen Einsamkeit und Kognition eine ganze Kette von Vermittlern beinhaltet, die aus vielen biologischen, kognitiven und klinischen Elementen besteht. Weitere Studien hierzu sind demnach unbedingt notwendig, um den genauen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Kognition zu eruieren. Ein proaktives Angehen der Problematik sowie eine Optimierung des Managements von chronischen Krankheiten könnten bereits jetzt zu einer Verbesserung beitragen.

Bao-Liang Zhong, Shu-Lin Chen, Xin Tu, Yeates Conwell, Loneliness and Cognitive Function in Older Adults: Findings from the Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey. J Gerontol B Psychol Sci Soc Sci. (2017), 120–128. Published online 24. März 2016. doi: 10.1093/geronb/gbw037

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