Nachbarschaftliche Vernetzung durch digitale Medien

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Obwohl Nachbarschaft meist als Teil der analogen Welt wahrgenommen wird, besitzt auch sie zunehmend eine digitale Seite. Nachbarschaftsplattformen in Deutschland versuchen zunehmend, Menschen digital zu vernetzen, um sie einander auch real näher zu bringen. Wer die Nutzer/innen sind und welche Auswirkungen diese neuen Angebote auf das nachbarschaftliche Zusammenleben haben können, untersuchten Franziska Schreiber und Hannah Göppert in der Studie „Wandel von Nachbarschaft in Zeiten digitaler Vernetzung“.

Aufbau der Untersuchung

Haben digitale Medien Einfluss auf unser soziales Miteinander? Bedingen sie Gemeinschaftsbildung, Zusammenhalt und lokale Teilhabe in Quartieren? Und wer nutzt sie eigentlich? Um diese Fragen zu beantworten wurde im Projekt „Vernetzte Nachbarn“ eine dreiteilige Untersuchung durchgeführt. Zunächst wurde eine bundesweite Bestandsaufnahme aller relevanten Plattformen inklusive Online-Befragung ihrer Betreiber/innen und Nutzer/innen durchgeführt. Dem folgten Feldforschungen in vier kleinstädtischen Umgebungen u.a. mittels Interviews mit lokalen Akteur/inn/en und Nutzer/inne/n digitaler Medien. Abgerundet wurde das Ganze durch eine eingehende Besprechung der Ergebnisse, einem eintägigen Expert/inn/enworkshop und anschließender mehrwöchiger Online-Diskussion.

Daten und Fakten

  • Nachbarschaftsplattformen dienen vorwiegend als Marktplatz und für gemeinschaftliche Zwecke in unterschiedlichsten räumlichen und sozialwirtschaftlichen Zusammenhängen.
  • Obwohl es eher ein großstädtisches Phänomen ist, um einer dort oftmals verspürten Anonymität entgegenzuwirken, werden sie auch in ländlichen Regionen und Kleinstädten eingesetzt.
  • Die User/innen in Großstädten bestehen vorwiegend aus alleinstehenden, zugezogenen, in ihrer Mobilität eingeschränkten und/oder zivilgesellschaftlich engagierten Menschen zwischen 25 und 70 Jahren.
  • Vertreter/innen der Mittelschicht mit guter Bildung und moderner Einstellung überwiegen, während Personen mit Migrationshintergrund eher unterrepräsentiert sind.

Digitale Plattformen als zwischenmenschliche Mittlerinnen

Die Untersuchung ergab, dass digitale Medien eine gute Starthilfe für nachbarschaftliche Netzwerke sein können, weil sie Gelegenheiten zur aktiven sozialen Teilhabe besser sichtbar und somit leichter zugänglich machen. Außerdem können sie zwischenmenschlichen Zusammenhalt, lokale Identifikation und die Bildung örtlicher Interessengruppen unterstützen, da bereits kurze Begegnungen für Tausch- oder Hilfsleistungen ein Gefühl von Verbundenheit fördern. Vor allem Einrichtungen zur sozialen Vernetzung und Beteiligung können mit digitalen Hilfsmitteln ihr Publikum erweitern und den Raum für einen fruchtbaren Austausch vergrößern. Quartiersmanager/inne/n und Kommunalverwalter/inne/n können sie die Wahrnehmung von gemeinschaftlichen Stimmungen, Themen und Bedürfnissen und den Austausch mit den Bürger/inne/n erleichtern. Da digitale Medien zeitgleich vorhandene Spannungen und soziale Grenzziehungen erhöhen bzw. auch brisante Themen zur Sprache kommen können, ist ein moderierender Eingriff ratsam. Lokale Akteure und Akteurinnen sollten nicht nur vor Ort, sondern auch im digitalen Raum an einer Förderung von Demokratie arbeiten.

Quelle:
Franziska Schreiber, Hannah Göppert, Wandel von Nachbarschaft in Zeiten digitaler Vernetzung. Explorationsstudie zur Wirkung digitaler Medien mit lokalem Bezug auf sozialen Zusammenhalt und lokale Teilhabe in Quartieren (Berlin, 2018).

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