Leben im Quartier: Wichtig für Selbstständigkeit und Wohlbefinden im Alter

Welche Bedeutung haben das außerhäusliche Wohnhandeln, verschiedene Facetten von Nachbarschaftserleben, Zugänglichkeitsbarrieren und die erlebte Verbundenheit mit dem eigenen Stadtteil für das Wohlbefinden im hohen Alter? Dieser Frage ging das Projekt „‚Hier will ich wohnen bleiben!‘ – Zur Bedeutung des Wohnens in der Nachbarschaft für gesundes Altern“ (BEWOHNT) nach.

Viele Menschen in Deutschland leben auch im hohen Alter selbstständig und selbstbestimmt. Aufgrund ihrer kleineren Bewegungsradien haben für sie die eigene Wohnung und das Wohnumfeld ganz besondere Bedeutung. Das deutsche Projekt „Hier will ich wohnen bleiben! – Zur Bedeutung des Wohnens in der Nachbarschaft für gesundes Altern“ (BEWOHNT) unternahm im Jahr 2015 eine sehr umfangreiche Felduntersuchung zum Wohnen im hohen Alter in Deutschland. Herausgearbeitet wurde die Bedeutung alltäglicher außerhäuslicher Aktivitäten in Zusammenhang mit Zugänglichkeitsbarrieren, unterschiedlichen Aspekten von Nachbarschaftserleben und der Zugehörigkeit zum eigenen Stadtteil für das Wohlbefinden im hohen Alter.

In drei typischen Frankfurter Stadtteilen befragte man insgesamt 595 alleinstehende und in Partnerschaft lebende Personen von 70 bis 89 sowie 80-89 Jahren mittels standardisierter Vis-à-vis-Fragebögen zur Lebens- und Wohnsituation. Darüber hinaus hielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Wochen lang u.a. ihre Aktivitäten außer Haus in „Mobilitätstagebüchern“ fest. Nach neun Monaten folgte eine zweite Erhebungswelle mit 463 Personen. Das Projekt kooperierte auch mit ExpertInnen, die ihre Meinungen in Workshops einbrachten.

 

Ein wesentliches Ergebnis der Erhebung ist im Hinblick auf das Nachbarschaftserleben zunächst die Tatsache, dass alleinlebende Ältere zwar mehr über soziale Einsamkeit berichteten als jene aus Partnerhaushalten, nicht jedoch über mehr emotionale Einsamkeit. Es zeigte sich, dass soziale Teilhabe auch subtilere Formen annehmen kann, wie z.B. ein verstärkter Austausch über Geschehnisse in der Nachbarschaft (anstelle von aktiver Beeinflussung derselben). Generell konnte eine tiefe Verbundenheit der Befragten zum eigenen Quartier konstatiert werden. Es zeigte sich, dass das psychische Wohlbefinden einen Zusammenhang mit

  • körperlicher Gesundheit,
  • außerhäuslichen Aktivitäten,
  • sozialer Zusammengehörigkeit und
  • stadtteilbezogener Identität aufweist.

Damit kann eine Korrelation zwischen Wohnen im Quartier und psychischem Wohlbefinden belegt werden.

Weiterführende Studien zeigen, dass besonders im sehr hohen Alter die Abhängigkeit zwischen Gesundheitszustand und Wohlbefinden durch nachbarschaftliche Zusammengehörigkeit und Stadtteilverbundenheit deutlich reduziert werden kann.

 

Quelle:

F. Oswald, N. Konopik, Bedeutung von außerhäuslichen Aktivitäten, Nachbarschaft und Stadtteilidentifikation für das Wohlbefinden im Alter, 2015. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 5 (2015), 401-407.

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