Einsamkeit vorbeugen durch gezielte Stadtarbeit

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Einsamkeit ist ein Thema, das jeden Menschen betreffen kann. Manche mehr, andere weniger. Warum das so ist, welche Gruppen besonders gefährdet sind und wo man in der Kommunalarbeit ansetzen kann, um dieses Problem zu mildern oder ihm gar vorzubeugen, untersucht die Studie „(Gem)einsame Stadt? Kommunen gegen soziale Isolation im Alter. Fakten, Trends und Empfehlungen für die Praxis“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Körber-Stiftung.

Einsamkeit – ein Phänomen am Rande der Gesellschaft?

Immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Dass dies nicht nur negative Auswirkungen auf die Gesundheit einzelner, sondern auch sozioökonomische Folgen hat, erkannte die britische Regierung bereits 2018. Sie berief daher eine Einsamkeitsministerin, die das Thema in Gesundheits-, Bildungs-, Wohn- und Wirtschaftsstrategien einfließen lässt. Auch Ann-Kathrin Schewe u.a. untersuchten das Phänomen und kamen zu dem Ergebnis, dass besonders gesellschaftliche Randgruppen von Einsamkeit betroffen sind. Zu den Hochrisikogruppen zählen ältere Menschen (Gründe: steigende Altersarmut, zunehmend partner- und kinderloses Altern, infrastruktureller Abbau im ländlichen Raum) ebenso wie Einkommens- und Bildungsschwache, digitale Analphabet/inn/en und Menschen mit schlechter Gesundheit bzw. geringem freiwilligen Engagement. Da sich moderne Lebensstile verstärkt individualisieren und die Bedeutung außerfamiliärer Netzwerke steigt – was vor allem für Alte, Arme und Kranke schwer aufrechtzuerhalten ist – ist es nun Aufgabe der Kommunen, mit gezielten Angeboten auf diese Hochrisikogruppen zuzugehen. Welche Methoden (vor allem für ältere Menschen) Abhilfe schaffen können, war unter anderem Thema der Studie.

Foto: S. Hermann & F. Richter von Pixabay

Maßnahmen zur Prävention auf Regierungsebene

  • Mittels Bürgerbefragung können im Vorfeld Risikofaktoren für lokale Alterskohorten sowie Lebensweisen und Bedürfnisse älterer Menschen erhoben werden.
  • Mit der Unterstützung altersfreundlicher Wohnungssanierungen können ältere Menschen länger in ihrem gewohnten Umfeld leben. Die Bereitstellung kleinerer Wohnungen in zentraler Lage für alleinlebende Ältere sowie die Möglichkeit von generationenübergreifendem Wohnen schaffen zusätzlich Abhilfe.
  • Die Umsetzung guter Rahmenbedingungen für soziales Engagement, neue Gruppenaktivitäten und die Umformung bereits etablierter mit Blick auf Senior/inn/en, wie z. B. „Oma auf Rädern“ statt „Essen auf Rädern“, fördern das soziale Miteinander.
  • Die Umgestaltung öffentlicher Plätze ermöglicht Begegnungen und wertet Orte durch ansprechende Architektur und Bauweisen auf. Treffpunkte wie z.B. multifunktionale Geschäfte mit kulturellem Angebot dienen der Sozialisierung ebenso wie Orte ohne Konsumzwang für finanziell Schwächere. Im ländlichen Raum ist hierfür auch ein entsprechendes Mobilitätsangebot erforderlich.
  • Hausärzt/inn/en, Pflegedienstleister/innen und Gewerbetreibende sollten sensibilisiert werden, um auf soziale Angebote gezielt hinweisen zu können, Ärzt/inn/en und Angestellte im Gesundheitsbereich können chronisch einsamen Älteren soziale Angebote auch „verschreiben“.

Foto: philm1310 von Pixabay

„Heilmittel“ Enttabuisierung

Als Fazit sei gesagt, dass neben den oben genannten Methoden auf lokal-kommunaler Ebene, eine generelle und weitgreifende „Normalisierung“ der Thematik stattfinden muss. Hierbei können Kampagnen und Veranstaltungen zur Einsamkeit helfen, um das Thema Schritt für Schritt zu enttabuisieren, was für Betroffene besonders relevant ist. Auch ein (inter-)nationaler Dialog, der unter anderem auf die Vermeidbarkeit und „Heilbarkeit“ von Einsamkeit hinweist, kann ein damit verbundenes Stigma reduzieren. Breite Aufklärung über die Risikofaktoren trägt weiters dazu bei, Menschen für die Einsamkeit der Personen in ihrer Umgebung zu sensibilisieren und eigener Einsamkeit vorzubeugen.

Ann-Kathrin Schewe, Tanja Kiziak, Catherina Hinz, (Gem)einsame Stadt? Kommunen gegen soziale Isolation im Alter. Fakten, Trends und Empfehlungen für die Praxis, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und Körber-Stiftung (November 2019)

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