Ältere Menschen und Technik – eine lösbare Herausforderung

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Vom Fahrkartenkauf am Automaten bis hin zu digitalen Stadtplänen – unser Alltag wird immer technologisierter. Nicht jeder Mensch kommt damit zurecht. Der Bericht „Mobile Nachbarschaft. Mobilität – Orientierung – Navigation- und Assistive IK Technologie“ von Edeltraud Haselsteiner u.a. fragt daher besonders nach der Lebensrealität von älteren Menschen in modernen Zeiten.

Alt sein im 21. Jahrhundert

Informations- und Kommunikationstechnik – kurz IKT – zieht sich wie ein roter Faden durch unser Leben. Besonders ältere Menschen jedoch sind mit der Handhabung von Automaten oder digitalen (Mobilitäts-)Angeboten im und für den öffentlichen Raum überfordert. Das Projekt MONA hinterfragte daher alle Ebenen von Service- und Dienstleistungsangeboten aus der Perspektive älterer Menschen, um anschließend zu neuen Konzepten zu kommen, die ihnen einen Umgang damit erleichtern sollen.

Ausgangslage der Untersuchung

  • Ältere Menschen können nicht als einheitliche „Zielgruppe“ definiert werden, da materieller Status, Bildung und Gesundheitszustand ihre jeweilige Lebensrealität beeinflussen. Eines aber haben fast alle gemeinsam: Den Wunsch, so lange wie möglich gesund und selbstständig in der gewohnten Umgebung leben zu können.
  • Die Einführung von IKT im öffentlichen Raum mutet älteren Menschen viel zu, da zu wenig auf ihre sozialen und alltäglichen Kommunikationsbedürfnisse eingegangen wird. Oftmals erleben sie die Handhabung technischer Geräte daher als Einschränkung und Ausgrenzung, wenn sie etwa bei der Bedienung von Automaten als „Behinderer“ wahrgenommen werden. Dies kann einen schrittweisen Rückzug aus der Selbstorganisation bedingen.
  • Aus freien Stücken werden neue Technologien zur Mobilität im öffentlichen Raum von älteren Menschen kaum genutzt. Die meisten besitzen zwar ein Handy, verwendet wird dies aber vorrangig zum Telefonieren. Einen Umgang mit Computern trauen sich viele nicht zu. Da Bedienungsanleitungen meist als zu kompliziert gelten, sind Familienangehörige die erste Anlaufstelle für etwaigen Rat. Gibt es diese Unterstützung nicht, bedarf es auswärtiger Beratung.

 

Foto: Steve Buissinne von Pixabay

Grundlagenwissen für eine erfolgreiche Produktentwicklung

In der Forschung liegt bereits vielfach ein Fokus auf die Bedürfnisse körperlich beeinträchtigter Menschen bei der Bedienung von IKT im öffentlichen Raum. Ältere Menschen blieben dabei bisher unberücksichtigt, da ihr Nutzungsverhalten ein ganz spezielles ist. Für sie ist nicht nur eine einfache Bedienung wichtig, das Ganze muss auch in Einklang mit einer logischen Menüführung und klaren Basisfunktionen gebracht werden. Um vor diesem Hintergrund brauchbare Produkte herstellen zu können, müssten Vertreter/innen der älteren Generation zeitgerecht in einen Entwicklungsprozess miteinbezogen werden. Die grundsätzliche Bereitschaft älterer Menschen, neue IKT-Formen zu erlernen, ist dabei Voraussetzung. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass ältere Menschen zweck- und nutzungsorientiert lernen. Haben Inhalte einen starken Bezug zur eigenen Alltagsrealität, sind ältere Menschen eher dazu gewillt, sich auf einen Lernprozess einzulassen. Daher sind vor allem Konzepte erforderlich, die das „Lernen“ und „e-Inclusion“ von älteren Menschen als integralen Bestandteil einer altersfreundlichen Stadtgestaltung auffassen. Orte müssen demnach mit attraktiven Mobilitätsservices für ältere Menschen ausgestattet werden. Dabei gilt, dass nicht immer neue IKT-Dienste entwickelt werden müssen, denn oftmals genügt es, den Zugang zu bestehender Infrastruktur und Diensten zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Darüber hinaus sind nicht selten Änderungen in der bestehenden Stadt‐Infrastruktur nötig, wobei IKT nicht immer am sinnvollsten ist.

 

Edeltraud Haselsteiner, Maja Lorbek, Margarete Havel, Wolfgang Zagler, Georg Edelmayer, Mobile Nachbarschaft. Mobilität–Orientierung–Navigation–und Assistive IK Technologie (Wien, 2014)

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