AktivlotsInnen in Rudolfsheim-Fünfhaus

 

Beteiligte Organisationen

ARGE Wiener Hilfswerk (WHW) und Wiener Sozialdienste (WS)

 

Zielsetzungen des Projekts

Das Projekt „AktivlotsInnen in Rudolfsheim-Fünfhaus“ verfolgt Ziele auf mehreren Ebenen:

  • 15 Frauen und Männer ab dem 60. Lebensjahr, die aus dem Bezirk und zum Teil selbst aus den Communities stammen, werden im Rahmen einer Schulung zu (ehrenamtlichen) „AktivlotsInnen“ ausgebildet. Sie sollen mit Aktivierungsangeboten Zugang zur Zielgruppe – oft bildungsfernen und einkommensschwachen Personen mit geringer sozialer Teilhabe und psychischen Belastungen - finden. Die Gruppe der AktivlotsInnen wird durch zwei ProjektmitarbeiterInnen (WHW und WS) angeleitet und bei ihren Aktivitäten unterstützt.
  • Durch die AktivlotsInnen sollen SeniorInnen (ebenfalls 60+) aus der Nachbarschaft/aus dem Bezirk aktiviert werden, um an den von den AktivlotsInnen im privaten Umfeld organisierten „Gesundheitspartys“ (ähnlich organisiert wie Tupperware-Partys) und an Aktivitäten im öffentlichen Raum (z.B. Bewegungs- und Gesundheitsangebote, Kulturspazier- und Entspannungsgruppen etc.) teilzunehmen.

Es sollen 1.400 Personen, das sind etwa 10% der über 60-Jährigen im Bezirk, auf verschiedensten Wegen informiert werden. 15 AktivlotsInnen sollen während des Projektzeitraumes 150 SeniorInnen aktivieren.

 

Setting(s)

Rudolfsheim-Fünfhaus ist der 15. Wiener Gemeindebezirk und liegt westlich des Stadtzentrums. Mit einer Fläche von 3,9 km² zählt der Bezirk zu den kleinsten Außenbezirken Wiens mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Der Stadtteil verfügt über einen geringen Grünlandanteil (13% der Bezirksfläche), wovon rund ein Drittel (31%) auf Kleingärten entfällt.

2014 lebten im 15. Bezirk 74.791 Menschen (37.220 Männer und 37.571 Frauen), davon 27.595 (37%) mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft und 18% der Bezirksbevölkerung waren im Alter von 60+.

 

Bis 2017 wird Rudolfsheim-Fünfhaus für die betroffene Zielgruppe 60+ einen prognostizierte Zuwachs von 6% (Durchschnitt Wien 3%) aufweisen und beträgt mit Stichtag 1.1. 2014 13.758 Personen. In Rudolfsheim-Fünfhaus leben viele ältere Menschen mit niedrigem Einkommen, geringem Bildungsstand, Migrationshintergrund und/oder chronischen Erkrankungen. Der Anteil sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen ist besonders hoch. Der 15. Bezirk verfügt über eine gute Infrastruktur und über eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Viele wichtige Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich und der Gemeinwesenarbeit sowie Bildungseinrichtungen befinden sich im Bezirk.

 

Das Projekt richtet sich an Frauen und Männer mit und ohne Migrationshintergrund ab dem 60. Lebensjahr, die im 15. Bezirk leben oder dort eine Einrichtung besuchen. Armutsbetroffene und ältere Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund sind oft großen sozialen und wirtschaftlichen Zwängen unterworfen, die ihre Lebensbedingungen verschlechtern und ihre individuelle Entscheidungsfreiheit beschränken. Dadurch haben sie weniger Chancen auf ein gesundes Leben. Sie finden nur schwer oder keinen Zugang zu Gesundheitsinformationen und Gesundheitsangeboten. Gründe hierfür können sprachliche, kulturelle, rechtliche und soziale Barrieren sein oder auch Unkenntnis über Institutionen und Leistungen des Gesundheitswesens, Erfahrungen mit Diskriminierung oder Unerwünschtheit. Gerade deshalb sind sensible Informationen, Beratung und konkrete Hilfe besonders wichtig.

 

Geplante Aktivitäten & Methoden

Eine Herausforderung des Projekts liegt vor allem im Bereich des Zugangs zur Zielgruppe, denn gerade jene Gruppen, von denen angenommen wird, dass sie am stärksten von Ungleichheit und Exklusion betroffen sind, sind am schwierigsten zu erreichen. Zur Bewältigung dieser schwierigen Zielgruppenerreichung bieten sich folgende Zugangswege an:

  • der Einsatz von MultiplikatorInnen aus den Communities,
  • aufsuchende Arbeit und direktes Ansprechen der Menschen.
  • bezüglich der Sprachenvielfalt sollen innerhalb des Projektteams die Sprachen der Hauptzuwanderungsgruppen (Türkisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Deutsch) berücksichtigt werden.
  • enge Kooperation mit Einrichtungen, Organisationen und Vereinen

 

Vorab werden die AktivlotsInnen gut geschult und arbeiten unter Anleitung der beiden ProjektmitarbeiterInnen aus den beiden Tandemorganisationen (WS, WHW).

Die Schulung soll die AktivlotsInnen dabei unterstützen, einen erfolgreichen Einstieg in ihre komplexe Tätigkeit zu gewährleisten. Sie bietet sowohl umfangreiche Informationen als auch ein effizientes Training für die Praxis an.

 

Langfristig sollen die AktivlotsInnen fixer Bestandteil der Angebote von und für Menschen ab 60 Jahren im städtischen Raum im 15. Bezirk werden und nachhaltig Netzwerke zwischen den BewohnerInnen geschaffen werden, die im Idealfall über das Angebot der AktivlotsInnen hinausgehen.

Die Angebote sollen die tatsächlichen Bedarfslagen und Fragen der Zielgruppe abdecken (Angebotsentwicklung mit den AktivlotsInnen und SeniorInnen gemeinsam). Die geplanten Gesundheitspartys fördern zum einen die soziale Integration, zum anderen werden Informationen und Wissen sehr niederschwellig und nicht zuletzt in einem geschützten - weil bekannten - Umfeld und an die Zielgruppe angepasst, vermittelt. Das Angebot wird quasi nach Hause gebracht, soll Interesse wecken und Aktivitäten können, ohne sich zu binden, einfach einmal ausprobiert und kennengelernt werden.

Geplant sind 1-2 Gesundheitspartys pro Monat pro AktivlotsIn mit je 5-6 TeilnehmerInnen. Durch die verschiedensten Aktivitäten und mit Unterstützung der AktivlotsInnen können die unterschiedlichsten Einrichtungen (z.B. Beratungszentrum Pflege und Betreuung, Tageszentrum,…) Institutionen (z.B. Magistratsabteilung 17, Bürgerdienst,…), Freizeitbereiche (z.B. Parkanlagen, Klubs etc.) und Kulturangebote im Bezirk und wienweit kennengelernt werden. Weiters sollen auch Bewegungsangebote offeriert werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass alle Angebote alltagsnah und praktikabel sind. Auf Barrierefreiheit wird geachtet und ggf. ist auch eine Begleitung zu Aktivitäten möglich.

 

Das Nachbarschaftszentrum 15 dient mit den beiden ProjektmitarbeiterInnen für die AktivlotsInnen als Anlaufstelle für Inputs, fachliche Anleitung, für Austausch und als Nutzung von Fach- und Raumressourcen.

 

Wichtige KooperationspartnerInnen

Im 15. Bezirk befinden sich viele wichtige Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, aus der Gemeinwesenarbeit sowie Bildungseinrichtungen, wie etwa das Beratungszentrum Pflege und Betreuung des Fonds Soziales Wien, ein geriatrisches Tageszentrum, zwei Wohnhäuser des Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser, mehrere Pensionistenklubs (einer davon mit einer Gruppe türkischer Frauen und Männer), Pfarren (die Aktivitäten für SeniorInnen anbieten), die Volkshochschule 15 mit vielen Angeboten (auch für MigrantInnen), die Regionalstelle WEST der Magistratsabteilung 17, die Gebietsbetreuung und die Wohnpartner. Auf dem Areal des Kaiserin Elisabeth Spitals entsteht gerade ein modernes Pflegewohnhaus. Die Einrichtungen sind sehr gut miteinander vernetzt, monatlich finden Regionalforen statt, an denen regelmäßig auch politische VertreterInnen (Bezirksvorstehung) teilnehmen.

Seit 2010 tagt vierteljährlich die Bezirks-Gesundheitskonferenz „I feel good – Wohlfühlen im 15ten“ unter dem Vorsitz des Bezirksvorstehers. Diese Vernetzung geht auf eine Initiative des Wiener Programms für Frauengesundheit zurück.

 

Das bedeutet Nachbarschaft für unser Projekt...

Mit Hilfe der AktivlotsInnen können neue Netzwerke zwischen den NachbarInnen entstehen (Stärkung der Nachbarschaft), Menschen werden aus der Isolation geholt, und es erfolgt mehr Präsenz von SeniorInnen im öffentlichen Raum. Unbelebte Plätze können belebt und „bespielt“ bzw. neu zu gestaltende öffentliche Räume gemeinsam erschlossen/erkundet werden. Darüber hinaus trägt das Projekt auch zur Förderung freiwilligen Engagements bei. Wesentliche Gründe für ein solches Engagement von älteren Menschen sind das Bedürfnis, die Gesellschaft wenigstens im Kleinen mitzugestalten und die Suche nach Gemeinschaft mit anderen. Wichtig sind hierbei Beteiligung, Befähigung und Aktivierung. Durch die AktivlotsInnen kommt es zu neuen „AkteurInnen“ in der Stadtteilarbeit. Die AktivlotsInnen werden mit Projektstart in das Freiwilligenteam des Nachbarschaftszentrums 15 integriert (inkl. Einbettung in das bestehende System des Freiwilligenmanagements des Wiener Hilfswerks), um über das Projektende hinaus informelle, nachhaltige Netzwerke und soziale Kontakte aufzubauen, um SeniorInnen in der Nachbarschaft weiterhin aktivieren zu können und die Nachbarschaft zu stärken. Sie sollen aktiv in bestehende gesundheitsfördernde Beratungs-, Gruppen und Veranstaltungsangebote des Nachbarschaftszentrums 15 und räumlich benachbarter Nachbarschaftszentren eingebunden bleiben. Sie sollen für ihre weitere Vernetzungsarbeit auch nach Projektablauf Zugang zu anderen mit den Wiener Sozialdiensten und dem Wiener Hilfswerk kooperierenden lokalen Einrichtungen haben.

 

Ansprechpartnerin

Dr.in Karin Kienzl-Plochberger

Wiener Sozialdienste

Telefon: +43 1 981 21 - 1710

Email: karin.kienzl-plochberger@wiso.or.at