LEBENDiG – Leben mit Demenz in der Gemeinde

Wussten Sie, dass in einer Gemeinde mit 1.000 Einwohner/innen rund 15 Menschen mit Demenz leben? Und dass etwa 80 Prozent der Menschen mit demenziellen Erkrankungen von Angehörigen betreut werden? Das steirische „Auf gesunde Nachbarschaft!“-Projekt LEBENDiG – Leben mit Demenz in der Gemeinde, das von Styria vitalis und dem Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien entwickelt wurde und umgesetzt wird, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gemeinde für diese Menschen zu einem Ort der Teilhabe zu machen.

Von einem Sorgenetz getragen

Das Konzept dahinter ist das des Sorgenetzes: In drei benachbarten Gemeinden (Fehring, Feldbach und Gnas) soll je ein solches Sorgenetz aufgebaut werden. Die verschiedenen Akteurinnen und Akteure in einer Gemeinde (z.B. Handelsunternehmen, Blaulichtorganisationen, Apotheken, Ärztinnen und Ärzte, Pflegedienstleister, Vereine, engagierte Privatpersonen) werden sensibilisiert und informiert und bilden gemeinsam ein Netzwerk, in dem Menschen mit Vergesslichkeit/Demenz und deren betreuende Angehörige gut aufgehoben sind. Der Projektleiter Christian Fadengruber von Styria vitalis beschreibt es so: „Ich persönlich möchte, dass sich ein gemeinsamer ,Spirit‘, eine Geisteshaltung, entwickelt – eine, die auch nach Projektende zu spüren ist – und dass wir in diesem Sorgenetz Menschen aus allen Lebensbereichen einer Gemeinde zusammenbringen.“ Die Ermöglichung von Teilhabe steht dabei stets im Zentrum. Christian Fadengruber präzisiert: „Wir meinen damit eine ganz alltägliche Teilhabe, wie z.B. einen nachbarschaftlichen Besuch oder am örtlichen Markt einkaufen zu gehen, nicht etwas Abgehobenes. Es geht darum, dass Menschen mit Vergesslichkeit/Demenz und deren Angehörige sichtbarer werden, aus ihren vier Wänden rauskommen, anderen begegnen, mitmachen.“

Gemeinsam Singen in Feldbach

Eine Idee mit Leben füllen

Trotz des großen Bruchs durch die Covid-19-Pandemie, konnte das Projekt in den vergangenen Monaten gut durchstarten. Die gemeindeübergreifende Schulung für Demenzbotschafter/innen – also für Menschen, die sich für das Thema stark machen möchten – übertraf mit 27 Teilnehmer/innen alle Erwartungen. „Es ist so schön zu sehen, dass sich diese Idee der ,Sorgenden Gemeinde‘ jetzt mit Leben füllt“, so Christian Fadengruber und berichtet weiter, dass bereits weitere Schulungen in Planung sind: eine für Einsatzkräfte und eine für Menschen, die in anderen beruflichen Kontexten (z.B. Gemeindebedienstete, Bank, Supermarkt) mit Menschen mit Demenz/Vergesslichkeit in Berührung kommen.

Dem Projektpartner von Styria vitalis, dem Institut für Pflegewissenschaft (IPW) der Universität Wien, gelang es über den Sommer, trotz der Einschränkungen durch Covid-19, einige der geplanten Spaziergänge mit Menschen mit Demenz durchzuführen, um ihnen dabei eine Stimme zu geben und zu erfahren, wie sie in ihrer Heimatgemeinde leben. Auch die Schulungen für Apothekenmitarbeiter/innen und Allgemeinmediziner/innen wurden von Petra Plunger und Katharina Heimerl (beide IPW) in einem ersten Zyklus in der Projektregion umgesetzt. Ein zweiter, steiermarkweiter Schulungszyklus musste wegen der Pandemie zunächst verschoben werden, konnte aber im September 2020 gestartet werden.

Erinnerungsspaziergang in Fehring

Neben diesen und vielen anderen Aktivitäten (z.B. Erinnerungsspaziergänge, gemeinsames Singen, Filmvorführungen), setzt das Projektteam auch auf niederschwellige Tools, die zur Sensibilisierung und Information der Bürger/innen beitragen sollen, wie etwa der Sticker „Wir sorgen füreinander“ oder auch einfache Infokarten mit den acht wichtigsten Tipps für die Kommunikation mit Menschen mit Demenz/Vergesslichkeit „Außerdem möchten wir Menschen, die für andere sorgen, eine Stimme geben und haben daher in den drei Projektgemeinden einen Schreibaufruf gestartet“, erzählt Christian Fadengruber. Gefragt sind Texte über die Erfahrungen und Gedanken zu gelebter Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe in der Corona-Zeit. Eine weitere Möglichkeit, die vielleicht abstrakte Idee der „sorgenden Gemeinde“ mit ganz persönlichen Erfahrungen und Geschichten aus dem Alltag lebendig werden zu lassen.

Foto: Ulla Sladek

Hier geht's zur Serie „Ein-Blicke in unsere Projekte“, in der wir regelmäßig über unsere sieben „Auf gesunde Nachbarschaft!“-Projekte in ganz Österreich berichten!

 

Eine Initiative des Fonds Gesundes Österreich
Logos Ministerium für Frauen und Gesundheit, Gesundheit Österreich GmbH und Fonds Gesundes Österreich